Belohnungs-basiertes Lernen oder wie ich alte Gewohnheiten ablege

Warum halte ich so hartnäckig an meinen Gewohnheiten fest? Warum greife ich auch in neuen Situationen automatisch auf Gewohnheiten zurück, obwohl es für mich und für andere eigentlich besser wäre, wenn ich mich anders verhalten würde?

Kurze Antwort: Weil jede Gewohnheit eine Belohnung verspricht. Etwas, das sich zumindest kurzfristig angenehm anfühlt oder sich damals, als sich diese Gewohnheit im „Standardmodus-Netzwerk“ des Gehirns etabliert hat, als nützlich erwiesen hat.

Kürzlich habe ich gelernt, dass sogar Sich-Sorgen-Machen, Grübeln, Katastrophenszenarien durchspielen oder Dinge aufschieben Gewohnheiten sind, die uns jeweils eine eigene Belohnung versprechen. Und wie so oft bei Gewohnheiten dienen sie dazu, uns vor (noch) unangenehmeren Erfahrungen zu schützen oder uns davon abzulenken. So vermittelt uns das Sich-Sorgen-Machen ein trügerisches Gefühl von Kontrolle über eine Situation, obwohl es in der Regel wenig oder gar nichts dazu beiträgt, eine Katastrophe zu verhindern. Wie die anderen genannten Gewohnheiten führt es oft zu noch mehr Unbehagen oder selbstverschuldetem Leid.

Wie können wir eine Gewohnheit, sobald wir erkannt haben, dass sie uns nicht wirklich nützt, wieder loswerden? Was in der Regel nicht funktioniert, ist, sich auf die Willenskraft zu verlassen. Diese wirkt nur temporär und dringt nicht in die fest verdrahteten Netzwerke des neuronalen Belohnungssystems ein.

Ein vielversprechenderer Ansatz ist das belohnungsbasierte Lernen. Dabei geht es darum, eine bestehende Gewohnheit durch eine andere zu ersetzen, die grössere Vorteile verspricht und so unser Belohnungssystem quasi zu „hacken“. Entscheidend ist, dass wir uns die Belohnung für das neue Verhalten nicht nur gedanklich vorstellen, sondern sie möglichst auch direkt erfahrbar machen und mit der neuen Gewohnheit assoziieren. Auf diese Weise kann die neue, vorteilhaftere Gewohnheit im Belohnungssystem des Gehirns nach und nach die alte, lästige oder schädliche Gewohnheit ablösen, weil sie als lohnender erlebt wird.

Wir könnten zum Beispiel das Sich-Sorgen-machen durch achtsame, wohlwollende Aufmerksamkeit und bewusstes Handeln ersetzen – etwas, das sich auch viel besser anfühlt als die Unruhe oder Angst, die aus der alten Gewohnheit resultieren.

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