Der Leerheit im Alltag begegnen

In den letzten Tagen und Wochen hat mich vor allem ein Thema sehr beschäftigt: die Erfahrung von Leerheit im Alltag.
 
Auslöser dafür waren keine drastischen Veränderungen oder Ereignisse in meinem Leben, sondern vielmehr eine unmittelbare Erkenntnis oder Einsicht in die Natur der Dinge.*
 
Leerheit ist nicht dasselbe wie Nichtvorhandensein oder das Gefühl von Leere, das beispielsweise entsteht, wenn etwas, das gerade noch da war, plötzlich verschwindet – wie zum Beispiel eine enge Beziehung, die zu Ende geht, der Verlust eines geliebten Menschen, eines Jobs oder eines Zuhauses.
 
Leerheit vielmehr ist die Erkenntnis, dass im Grunde alles substanzlos ist, auch wenn es noch da ist, es nichts Dauerhaftes oder Festes gibt, an das wir uns halten können. Etwas verschwindet nicht, wenn wir seine Leerheit erkennen.** 
 
Die Vorstellung von Leerheit - oder die Erfahrung derselben - kann für manche beunruhigend sein, besonders wenn wir darauf nicht vorbereitet sind und uns plötzlich ihrer Wucht ausgeliefert fühlen. Anders verhält es sich, wenn wir lernen, dem „Naturgesetz der Leerheit“ in unserem Alltag zu begegnen. Der Baum ist immer noch da, doch wir können lernen, seine Leerheit zu erfahren. Das Gleiche gilt für alles, was wir erleben – sogar für das Selbst, das im Grunde ebenso substanzlos ist.
 
Eigentlich ist an der Leerheit an sich nichts Beängstigendes. In Musik und Kunst, und besonders in der Fotografie, ist Leerheit ein sehr häufiges Thema. Wenn ich Leerheit erlebe, ist es, als sähe ich die Dinge so, wie sie wirklich sind, jenseits der Bedeutung, die ich ihnen zuschreibe.
 
Erlebst du regelmässig Leerheit, oder hast du ein passendes Foto, das du gerne mit mir teilen möchtest? Dann schreib mir doch.

 
* Inspiriert hat mich auch das Buch von Pema Chödrön - Das Unwillkommene willkommen heissen - welches wir gerade in der Lesegruppe lesen.

** Eine Tatsache, die uns auch die Quantenphysik lehrt, die aber nur wenige Menschen tatsächlich auch direkt erfahren können.

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